Mein Start bei Frachtwerk war recht ungewöhnlich. Ich kam als Workshop-Leiterin für zwei Tage und ging mit dem Wunsch zu bleiben. Klingt kitschtig? So war es aber.
In diesen zwei Tagen habe ich etwas erlebt, das ich vorher nicht kannte: die Art, wie Kolleg:innen miteinander umgingen und was selbstverständlich ist. Und irgendwann während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich das auch will.
Von diesem Miteinander möchte ich ein bisschen berichten. Denn mal ganz ehrlich: Wenn man irgendwo einen neuen Job anfängt, will man doch vorher wissen, wie es dort ist. Nicht nur, was in der Stellenanzeige steht, sondern wie es sich anfühlt, dort zu arbeiten.
Gute Zusammenarbeit entsteht nicht (nur) in Meetings
Gute Zusammenarbeit entsteht nicht nur in Tickets, Projekten und Meetings. Aber wo entsteht eigentlich das Gefühl, wirklich zu einem Team zu gehören?
Unserer Erfahrung nach genau dazwischen. In den Gesprächen zwischen zwei Meetings. In dem, was wir miteinander erleben. In der Art, wie wir kommunizieren. Verbindung ist für uns kein netter Nebeneffekt guter Arbeit, sondern ihre Grundlage. Und weil uns das so wichtig ist, überlassen wir es nicht dem Zufall. Wir nehmen uns aktiv Zeit dafür.
Wenn Ideen einfach passieren dürfen
Eines der schönsten Zeichen für dieses Miteinander ist, dass es niemand von oben verordnen muss.
Ein Kollege hat zum ,Beispiel den „Frachtkeller“ ins Leben gerufen – eine Art Game Jam. Programmierer:innen und Technikbegeisterte kommen zusammen und bauen an einem einfachen, grob umrissenen Projekt. Kein Auftrag, kein Kunde, kein Ergebnisdruck. Anregung zum Spielen, Experimentieren und soziale Zusammenarbeit stehen im Vordergrund.
Zeit ist heute vielleicht das knappste Gut, das wir haben, besonders in einer Welt, in der es ständig darum geht, noch effektiver zu werden. Und trotzdem nehmen wir uns bewusst Zeit füreinander: Zweimal im Jahr kommt die gesamte Organisation für zweieinhalb Tage zusammen. Wir nennen das unsere Teamtage.
Wir nutzen sie, um unser Wissen zu teilen: Kolleg:innen bereiten Workshops vor und geben weiter, was sie können. Und wir nutzen sie für Momente, die keinen direkten beruflichen Bezug haben – Kaffeetasting, Lieblingsbrettspiele, Jam-Sessions oder Lockpicking.
Wer wir füreinander sein wollen
Das alles ist kein Zufallsprodukt. In unserem Travel Guide – einer Art Reiseführer durch unsere Grundausrichtung – haben wir aus unserer Erfahrung heraus festgehalten, wer wir als Kolleg:innen füreinander sein wollen.
Herausgekommen ist ein Bild, das ich sehr mag: Wir sind Gleichgesinnte mit einem gemeinsamen Purpose, die zusammen etwas erschaffen wollen. Daraus können Freundschaften entstehen, müssen es aber nicht.
Es ist das, was gerade da ist. Kein Zwang zur Nähe, aber auch keine Distanz aus Prinzip.
Der Deep Check-in
Einen guten Eindruck davon, wie wir „Miteinander“ denken, gibt auch unser Format „Deep CheckIn“.
Man sucht sich eine Kollegin oder einen Kollegen aus und nimmt sich 60 Minuten Zeit. Nicht für ein Projekt, nicht für ein Status-Update, sondern füreinander. Gemeinsam reflektiert man, wie es einem gerade wirklich geht. Die Fragen klingen dann etwa so: „Wie sehr kann ich mich zurzeit mit Frachtwerk identifizieren – und wo vielleicht weniger?“, „Wie willkommen fühle ich mich?“, „Kann ich meine Stärken einbringen?“
Dahinter steckt eine einfache Überzeugung: Wir sind dreidimensionale Menschen, keine Funktionsträger:innen. Je mehr wir von uns zeigen, desto leichter fällt es uns, Empathie füreinander zu haben, uns gegenseitig zu unterstützen und am Ende auch richtig gut zusammenzuarbeiten.
Miteinander heißt nicht immer Harmonie
Wenn wir Miteinander und Verbindung so wie bisher beschrieben leben, öffnen wir uns natürlich auch für das „Schwierige“: für das offene Wort, wenn etwas nicht passt oder für die Erkenntnis, dass wir über gewisse Dinge eben ganz unterschiedlich denken oder man an einer Stelle vielleicht doch nicht zueinanderfindet. Das kann unbequem sein, und manchmal ist es das auch. Aber wir streben keine Harmonie an, die nur hält, solange niemand etwas anspricht, sondern eine bewegte Harmonie, die auch Reibung aushält und gerade daran wächst.
Das ist nicht selbstverständlich
Auch nach drei Jahren merke ich, dass unser Miteinander kein Nebenprodukt ist. Es ist etwas, das wir jeden Tag aktiv gestalten, manchmal in großen Formaten, oft in kleinen Momenten. Und dieses Miteinander ist für mich etwas, das Frachtwerk im Besonderen ausmacht.
