“Mach so viel Urlaub wie du brauchst” klingt nach einem recht absurden Konzept und lässt Menschen sofort wittern, dass hier entweder Arbeitnehmer besonders stark waren oder das ganze ein Marketinginstrument des Arbeitgebers ist, das irgendwo einen versteckten Haken hat.
Doch erstens gibt es die Begriffe bei uns nicht, zweitens soll das Konzept einfach nur Bürokratie vereinfachen und hat tatsächlich keinen gewollten Haken. Nach fast 10 Jahren Frachtwerk ist nun mal Zeit für ein kleines Zwischenfazit:
Fazit Nummer 1: Es funktioniert tatsächlich. Wir machen einfach alle Urlaub und achten kollektiv drauf, dass sich das Ganze etwas in der Waage hält. Diverse Studien haben gezeigt, dass solche Konzepte eher dazu führen, dass Menschen weniger Urlaub nehmen, als wenn er fix zugesichert wäre. Das war bei uns anfangs vielleicht ganz leicht so, mittlerweile liegen wir seit mehreren Jahren stabil bei knapp über 30 Tagen pro Person.
Fazit Nummer 2: Es klingt spektakulärer, als es ist. Wir haben es bewusst “Urlaub nach eigenem Ermessen” statt “unbegrenzt Urlaub” benannt, denn wir alle wissen, dass das Konzept nur funktioniert, solange wir uns alle fair verhalten. Und sobald die/der Partner:in z. B. fix 28 Urlaubstage hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man selbst – so man denn gemeinsam in die Ferne schweift – auch nicht wesentlich mehr Urlaub in Anspruch nimmt… Und das Dasein als Agentur sorgt durch den regelmäßig recht hohen Projektdruck dafür, dass in der Regel auch nicht unendlich viel Zeit für Urlaub da ist.
Fazit Nummer 3: Es funktioniert, weil die Rahmenbedingungen dazu passen. Unser Führungskonzept basiert ohnehin auf Eigenverantwortung und Transparenz – das schließt z. B. mit ein, dass die Anzahl der genommenen Urlaubstage zwar mit niemandem abgestimmt werden müssen, aber für alle transparent sind. Es bekommen also alle mit, wer 10 und wer (theoretisch) 100 Urlaubstage nimmt.
Doch wie funktioniert das Ganze? Um juristisch halbwegs gegen Missbrauch geschützt zu sein, stehen in unseren Arbeitsverträgen fix 30 Tage Urlaub. Pro Jahr gibt es eine Zusatzvereinbarung, mit der jeweils für ein weiteres Jahr der Urlaub nach eigenem Ermessen festgelegt wird. Urlaub muss bei uns ohnehin nicht beantragt werden – Voraussetzung ist lediglich, dass er mit allen Projektbeteiligten und Kunden abgestimmt ist. Unser New-Pay-Gremium prüft rechtzeitig am Jahresende, dass zumindest der gesetzliche Mindesturlaub genommen wurde (was in der Regel aber der Fall ist!). Und für den Fall, dass jemand eine wirklich längere Auszeit plant, gibt es die Möglichkeit, Sonderurlaub zu nehmen. In unserem Projektdashboard läuft Urlaub als ganz normales Projekt – mit allen Stunden und Kosten, die dadurch entstehen.
Ist Urlaub nach eigenem Ermessen also der Himmel auf Erden? Sicher nicht. Nur eine Marketingmaßnahme? Auch nicht. Aber in unserem Kontext eine sehr entspannte Möglichkeit, mit wenig bürokratischen Aufwand unkompliziert und einfach Urlaub zu nehmen, ohne sich zu viele Gedanken machen zu müssen. Da es – zumindest für den Moment – keine nennenswerten Downsides hat, ist die Nachahmung also absolut empfohlen! 🙂
