Der deutsche Mittelstand steht unter enormem Druck. Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten, volatile Energiekosten und permanenter Innovationsdruck prägen das Geschäftsumfeld. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen von Kund:innen, Partner:innen und Mitarbeitenden grundlegend gewandelt: Digitale Services müssen mobil erreichbar, ständig verfügbar und skalierbar sein.
Doch in vielen mittelständischen Unternehmen läuft die IT noch nach dem Muster der 2000er Jahre: lokale Serverräume, spezialisierte Einzellösungen, hohe Wartungslast und Betriebskosten, die schwer zu planen sind. Genau an diesem Punkt setzt der Cloud-First-Ansatz an. Er ist nicht einfach eine technische Mode, sondern eine notwendige strategische Neuausrichtung und ein realistischer Weg zu einer agilen, wirtschaftlichen und zukunftssicheren IT-Infrastruktur.
Was Cloud First bedeutet und was nicht
Cloud First heißt zunächst: Bei jeder neuen IT-Entscheidung zuerst Cloud-Lösungen prüfen, bevor man lokale Infrastruktur aufbaut.
Wichtig ist die Klarstellung: Das bedeutet nicht, dass alles sofort in eine Public Cloud eines amerikanischen Hyperscalers wandert. Der Ansatz ist deutlich pragmatischer. Er bedeutet, Architektur-Entscheidungen von vorn herein cloudgerecht zu treffen flexibel, automatisierbar und nicht an spezifische Hardware gebunden.
Besonders relevant für den europäischen Mittelstand ist dabei die Kombination mit Open-Source-Technologien. Dadurch entsteht ein Spektrum von Möglichkeiten: vom eigenen Rechenzentrum als Private Cloud über europäische Cloud-Provider bis zu hybriden Setups. Der Vorteil liegt in der digitalen Souveränität und der Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern oder BigTech, Auditierbarkeit des gesamten Stacks und Datenschutz, der sich nicht erst juristisch erkämpft werden muss.
Die wirtschaftliche Realität: Warum lokale IT teuer ist
Um den Cloud-First-Ansatz richtig zu bewerten, lohnt sich ein Blick auf die tatsächlichen Kosten lokaler Infrastruktur:
- Betriebskosten, die oft versteckt sind: Ein eigenes Rechenzentrum kostet nicht nur die Hardware. Hinzu kommen Klimatisierung, Stromversorgung mit Redundanz, Backup-Systeme, physische Sicherheit und vor allem: spezialisierte Fachkräfte, die die Systeme warten. Diese Kosten sind oft schwer vorhersehbar und schwanken stark.
- Effizienzprobleme: Lokale Systeme sind üblicherweise überprovisioniert – Kapazitäten für Spitzenlast, die nur selten genutzt werden. Cloud-Infrastruktur kann elastisch wachsen und schrumpfen, wodurch sich Hardware-Kosten an den tatsächlichen Bedarf anpassen.
- Sicherheit und Compliance: Während viele IT-Manager:innen lokale Systeme als „sicherer“ empfinden, ist die Realität komplexer. Professionelle Cloud-Anbieter investieren immens in Sicherheit, Redundanz und automatisierte Sicherheitsupdates meist deutlich mehr, als ein einzelnes Unternehmen aufbringen kann. Standardisierte, regelmäßig geprüfte Infrastruktur ist oft sicherer als einzigartige, wenig dokumentierte Eigenbauten.
Wachstumskosten: Wenn ein Mittelständler schnell wächst, wird es eng im lokalen Serverraum. Cloud First erlaubt es, Infrastruktur beliebig zu skalieren, ohne monatelange Beschaffungsprozesse zu durchlaufen.
Was sich mit Cloud First konkret ändert
Unternehmen, die einen Cloud-First-Ansatz verfolgen, berichten von messbaren Veränderungen:
- Planbare Kosten: Weg von überraschenden Wartungsbudgets hin zu transparenten, kalkulierbaren monatlichen oder jährlichen Ausgaben. Das hilft bei der Unternehmensplanung.
- Schnellere Innovationen: Neue Dienste oder Funktionen sind in Stunden statt Wochen verfügbar, weil die Infrastruktur flexibel ist und nicht erst geplant werden muss.
- Verteilte Teams: Mit Cloud-First-Ansätzen arbeiten Mitarbeitende sicher und flexibel von überall – Homeoffice, Kundenbüro oder Reise. Die Sicherheit wird durch zentrale Authentifizierung und zero trust gelöst, nicht durch Zugangskontrolle am Eingang.
- Weniger IT-Betriebslast: Die Wartung und Überwachung von Infrastruktur ist standardisiert und kann größtenteils automatisiert werden. Das befreit IT-Teams für strategischere Aufgaben.
Die Übergangsfrage: Wie macht man den Schritt?
Für etablierte Mittelständler ist der Umstieg kein schneller Wechsel. Cloud First ist eher eine Richtungsentscheidung bei laufenden Investitionen und Modernisierungen.
In der Praxis bedeutet das:
- Neue Systeme werden Cloud-first konzipiert und umgesetzt – nicht mehr lokal.
- Bestehende Systeme werden sukzessive modernisiert, ohne dass alles gleichzeitig umgebaut wird.
- Hybride Setups sind während der Übergangsphase normal und völlig sinnvoll.
Dabei ist der Einsatz von Open-Source-Technologien vorteilhaft: Sie reduzieren Vendor Lock-in und ermöglichen es, die Cloud-Infrastruktur selbst zu betreiben, wenn das strategisch sinnvoll ist, sei es im eigenen Rechenzentrum, bei einem deutschen Anbieter oder in einer hybriden Kombination.
Nicht optional, sondern notwendig
Cloud First ist für den modernen Mittelstand keine Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Die technische Welt entwickelt sich derart schnell, dass Unternehmen, die ihre IT noch auf Basis von 15 Jahre alten Architekturen betreiben, schlicht nicht mehr mithalten können – weder in Flexibilität noch in Kosteneffizienz und schon gar nicht in Sicherheit.
Unternehmen, die jetzt bewusst den Kurs richtung Cloud First einschlagen, schaffen die Basis für die nächste Dekade ihrer IT – mit Infrastruktur, die mitwächst, sich selbst schützt und unabhängig bleibt. Das ist kein technischer Luxus, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens selbst.
Wir als Frachtwerk haben es uns seit 2017 zur Aufgabe gemacht, Unternehmen auf ihrer digitalen Reise zu begleiten. Wir beraten gerne, wie die ersten oder nächsten Schritte in Richtung Cloud First und Digitale Souveränität aussehen können. Buche dir einfach einen unverbindlichen Beratungstermin.
